Brandy de Jerez

Alle Informationen zu Brandy de Jerez

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Brandy de Jerez unterscheidet sich von anderen Weinbränden durch seine ganz eigenen Aromen, die er dank einem traditionellen Produktionsprozess, entwickelt. Brandy de Jerez reift in Eichenfässern, in denen zuvor Sherry ausgebaut wurde. Weiter wird er geprägt durch die lokalen klimatischen Bedingungen seines Geburtsortes, dem sogenannten Sherry-Dreieck. Mehr lesen>

Geschmacksprofil eines Brandy de Jerez

3 Brandy 3 Geschmacksrichtungen

Brandy de Jerez ist meist reichhaltiger, süßer, vollmundiger und etwas weniger raffiniert als die bekannteren französischen Brandys wie Cognac und Armagnac. Er hat dank dem Ausbau in Sherryfässern einen außergewöhnlichem Geschmack, der nicht jedem direkt zugänglich ist. Die großen Brandy de Jerez, wie etwa Cardenal Mendoza von Sanchez Romate, zeigen sich bemerkenswert sanft und ausgeglichen in der Komplexität ihrer Aromen. Mehr lesen>

Herstellung von Brandy de Jerez

E Toro de OsborneBrandy de Jerez wird aus Weinen aus der Airén-Traube in Zentralspanien destilliert, in alten Sherryfässern gereift und nach dem Solera-System für Sherry abgefüllt, wobei Jahr für Jahr verschiedene Jahrgänge miteinander verschnitten werden. Ein Brandy de Jerez mit der Bezeichnung Solera Reserva muss für mindestens ein Jahr in Fässern gereift sein, Gran Reservas sogar mindestens drei Jahre. Mehr lesen>

Alle Brandy de Jerez im Überblick

Die Geschichte von Brandy de Jerez

Brandy de Jerez ist ein Weinbrand, der wie Cognac oder Armagnac durch die Destillation von Wein hergestellt wird. Er ist ein Nebenprodukt der Sherryproduktion, da die Fässer, in denen er zur Reifung lagert, zuvor zur Produktion von Sherry genutzt wurden. Dies macht ihn so typisch und einzigartig im Geschmack.

Ebenso wie Sherry muss ein Brandy, der die Auszeichnung Brandy de Jerez führen möchte, im sogenannten Sherry-Dreieck zwischen den Städten Jerez de la Frontera, Sanluca de Barrameda und El Puerto de Santa Maria gefertigt werden. Die Produktion wird streng durch die D.O. Brandy de Jerez überwacht.

Die Destillationstechniken zur Herstellung von Alkohol aus Wein sind ein Vermächtnis der Mauren, die sich um 711 in Jerez niederließen, bis die Stadt 1264 von König Alfons X. erobert wurde. Obwohl die Mauren Alkohol vorrangig zur Herstellung von Parfüms und Medikamenten verwendeten, begann die lokale Bevölkerung damit, ihn zu trinken. Nachweislich wurde schon im 16. Jahrhundert eine große Menge an Brandy produziert. Das lässt sich einem Dokument entnehmen, aus dem hervorgeht, dass der Stadtrat von Jerez im Jahr 1580 die Einnahmen aus der Weingeiststeuer (einer Gemeindesteuer auf die Herstellung von Weingeist) für den Bau eines Jesuitenkollegs eingesetzt hat. Brandy de Jerez wurde spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts in sehr großen Mengen produziert und verkauft. Die Niederlande war hierbei Hauptabnehmer und von dort aus wurde Brandy praktisch die ganze Welt, zum Großteil jedoch nach Nordeuropa, verschifft.

Die Etablierung von Markennamen für Brandy de Jerez erfolgte im 19. Jahrhundert auf Initiative von Sherryhäusern, die Pioniere im Verkauf von Markenprodukten waren, die auch heute noch existieren. Nicht nur in Spanien, sondern in vielen Ländern auf der ganzen Welt.

 

Die Herstellung von Brandy de Jerez

Die Herstellung von Sherry beginnt mit einem jungen, geschmacklich noch nicht sehr ausgeprägtem, Weißwein. Heutzutage wird dieser Wein in den Provinzen La Mancha und Extremadura in der Regel aus der Airén-Traube gewonnen, was überraschen mag, wenn man bedenkt, dass in den Weinbergen um Jerez sehr viel Palomino zur Sherry-Produktion angebaut wird. Letztendlich ist diese Entscheidung eine simple Kostenfrage: Palomino-Trauben sind schlichtweg zu kostpielig, um Brandy gewinnbringend herzustellen. González Byass Lepanto gilt als der einzige Brandy im freien Verkauf, der noch vollständig aus Palomino hergestellt wird.  Einige Hersteller geben jedoch noch vor der Destillation einen kleinen Anteil Palomino (oder PX) Grundwein in die zu destillierende Mischung.

Brandy de Jerez durchläuft lediglich eine Destillation und ist somit dem Armagnac in der Herstellung als dem Cognac, der zweifach destilliert wird. Das Ergebnis dieser Destillation sind Branntweine mit einem Alkoholgehalt von 60-65%, die Holandas genannt werden. Dieser Name bezieht sich auf Holland, das Heimatland des Brandys (brandewijn). Zur Gewinnung von einem Liter Brandy, müssen etwa drei Liter Wein destilliert werden, was etwa vier Kilogramm Trauben entspricht.

Die traditionelle Produktionsmethode des Brandy de Jerez wird vom Consejo Regulador del Brandy de Jerez kontrolliert. Das Verfahren definiert sich über drei Hauptmerkmale:

 

– Der Brandy darf ausschließlich innerhalb der Gemeindegrenzen von Jerez de la Frontera, El Puerto de Santa María und Sanlúcar de Barrameda hergestellt worden sein.

– Der Brandy muss in amerikanischen Eichenfässern mit einem Fassungsvermögen von 500 Litern gelagert werden, die zuvor Sherry enthielten.

– Es muss das traditionelle Alterungssystem von Criaderas und Soleras verwendet werden.

 

In Jerez werden drei Arten von Spirituosen aufgrund ihrer Stärke und ihrer flüchtigen Aromen unterschieden:

 

– Holandas haben einen Alkoholgehalt von weniger als 70%.

– Der Alkoholgehalt von Aguardientes liegt zwischen 70% und 86%.

– Destilados enthalten zwischen 86% und 94,8% Alkohol.

 

Um einen Brandy de Jerez zu kreieren, können alle drei Arten von Spirituosen verwednet werden, aber Holandas mit ihrem geringeren Alkoholgehalt müssen stets mindestens 50% des Endprodukts ausmachen, damit genügend Brandy de Jerez-typische Aromen durchkommen.

 

Reifung im Sherryfass

Die Destillation ist ein wichtiger Teil des Produktionsvorgangs, der typische Charakter eines Brandy de Jerez entsteht jedoch erst im anschließenden Reifevorgang. Die Lagerung in alten Sherryfässern lässt aus einem Brandy einen Brandy mit Sherry-Aromen entstehen.

Die Holandas werden in Holzfässern, sogenannten Botas, gereift, die zuvor Sherry enthalten haben. Dies sind nicht zwangsweise die gleichen Fässer, die in Bodegas für die Reifung von Sherry verwendet werden. Stattdessen werden die meist neu hergestellten Fässer aus amerikanischer Eiche für einige Monate mit Sherry (oder jüngeren Weinen, die gewöhnlich in die Criaderas gehen) imprägniert, bis das Holz die Aromen des Weins aufgenommen hat. Wenn die Holandas in diesen Fässern gereift sind, werden die Aromen von Sherry und Eiche langsam in den Brandy abgegeben. Je länger der Brandy in diesen Fässern gealtert ist, desto weicher wird er und desto mehr Sherry-Aromen kann er aufnehmen.

Für die Reifung von Brandy de Jerez werden alle Sherryarten verwendet, vor allem aber Oloroso und Pedro Ximénez, die sehr reichhaltig an Aromen sind. Häufig werden mehrere Arten von Fässern verwendet, damit der Brandy eine komplexe Mischung aus Geschmacksprofilen erlangt.

 

Reifung im Solera-System

Wie Sherry im Allgemeinen wird auch Brandy de Jerez nach dem traditionellen System der Soleras und Criaderas gereift. Durch das regelmäßige Nachfüllen von Fässern mit etwas jüngerem Brandy aus den oberen Reihen enthält die untere Reihe eine gleichmäßige Mischung aus Brandies unterschiedlichen Alters.

Um als Brandy de Jerez vermarktet werden zu dürfen, müssen alle Spirituosen mindestens sechs Monate gelagert werden. Einige Brandys sind deutlich länger gealtert und je nachdem, wie lange ein Brandy in einer Solera verbringt, können unterschiedliche Altersangaben verwendet werden:

 

– Brandy de Jerez Solera hat ein Durchschnittsalter von mindestens sechs Monaten

– Brandy de Jerez Solera Reserva hat ein durchschnittliches Mindestalter von einem Jahr

– Brandy de Jerez Solera Gran Reserva hat ein durchschnittliches Mindestalter von drei Jahren

 

Es gibt also Regeln für den Mindestdurchschnitt, in der Praxis werden die besten Reservas und Gran Reservas oft viel deutlich länger als gesetzlich vorgeschrieben gereift, um der Spirituose mehr Charakter und Geschmeidigkeit zu verleihen.

Heute produzieren so gut wie alle Bodegas eine oder mehrere Arten von Brandy. Einige der bekanntesten Marken sind Cardenal Mendoza, Terry Centenario, Gran Duque de Alba oder Osborne Magno, die das ikonische Stierbild geprägt haben, das oft mit Brandy de Jerez in Verbindung gebracht wird.

 

Veränderungen am Markt von Brandy von Jerez

Im Jahr 2009 beschlossen die Marken Veterano (von Osborne) und Soberano (von González Byass), einst Marktführer in der Kategorie Brandy de Jerez, ihr Alkoholvolumen unter das vom Consejo Regulador geforderte Minimum von 36% zu senken. Zunächst auf 33% und dann auf lediglich 30%. Aufgrund dieser Veränderung dürfen die Spirituosen nicht mehr als Brandy de Jerez, sondern lediglich als Brandy vermarktet werden.

 

So sind Spirituosen entstanden, die dank eigens gemachter Regeln wesentlich niedrigere Produktionskosten haben. Sie werden auch nicht mehr ausschließlich aus Weinbrand hergestellt und sind oftmals viel jünger als der ursprüngliche Brandy de Jerez.

Soberano und Veterano waren für etwa die Hälfte des Produktionsvolumens von Brandy de Jerez verantwortlich, so dass die D.O. Brandy de Jerez schlagartig einen starken Rückgang ihrer Produktionszahlen vermelden musste. Das Problem für die D.O. ist dabei, dass Markennamen und Labels der Häuser nahezu identisch blieben, so dass die Öffentlichkeit diese beliebten Marken immer noch als echten Brandy de Jerez betrachtet. Darüber hinaus verteilen sie unterschiedliche Stärken auf bestimmte Märkte, was zu mehr Verwirrung führt am Markt und bei Händlern führte. Dadurch wurde es für kleine Manufakturen und Bodegas immer schwieriger, ihre eigenen hohen Qualitätsstandards im Marketing herauszuarbeiten und zu erklären, warum ihre Produkte einen höheren Preis haben.

Die aktuelle Jahresproduktion von Brandy de Jerez liegt bei rund 20 Millionen Flaschen pro Jahr (2014), von denen rund 35% exportiert werden. Zehn Jahre zuvor lag das Absatzvolumen noch bei über 80 Millionen Flaschen. Obwohl es sich um ein Getränk mit rückläufigen Umsatzzahlen  handelt, das vor allem von der lokalen Bevölkerung in Spanien geschätzt wird, ist es sicherlich (vielleicht genau deshalb) eine Entdeckung wert. Brandy de Jerez lässt sich hervorragend alleine,  mit Schokolade, einer Zigarre, oder als Zutat in Cocktails genießen.

 

So trinken Sie Brandy de Jerez

Traditionell wird Brandy de Jerez im Ballonglas genossen, das eine bauchige, oben leicht zulaufende Schale, und einen kurzen Stiel besitzt.

Zu kleine oder zu große Gläser sollten vermieden werden, daher ist es empfehlenswert, ein Glas mit einem Fassungsvermögen zwischen 500cl und 750cl zu wählen. Es sollte jedoch lediglich zu einem Fünftel mit Brandy de Jerez gefüllt werden. Als Faustregel gilt hierbei: Das Glas sollte nur soweit gefüllt werden, dass der Brandy nicht verschüttet wird, wenn das Glas seitlich hingelegt wird.

Dank diesem Glas bekommt der Brandy eine große Oberfläche, so dass intensive Aromen, insbesondere die flüchtigsten Bestandteile wie der Alkohol selbst, durch die Wärme der das Glas umfassenden Hand des Konsumenten freigesetzt werden können. Traditionell wird Brandy also handwarm getrunken.

Wenn Sie den Brandy bei kälter genießen möchte, sollte das Glas einen längeren Stiel besitzen, sodass die Hand weiter von der Schale entfernt ist. Dieses Glas sollte eine längere, schlankere Form (wie ein Weinverkostungsglas) mit einer leichten Tulpenform besitzen.

 

Die richtige Temperatur für Brandy de Jerez

Die wichtigste Regel für Genuss lautet: Es gibt keine. Trinken Sie Ihren Drink in der Temperatur, die Sie mögen, pur, auf Eis oder als Cocktail. Jedoch ist es oftmals hilfreich zu wissen, welchen Genuss viele Kenner bevorzugen, da leider in der Genusskultur lange Zeit Dogmen vorherrschten, wie, wann und wo gewisse kulinarische Genüsse unbedingt erfolgen sollen. So gibt es gerade bei Einsteigern und Anfängern oft (unbeggründete) Hemmungen etwas falsch zu machen. Daher hier einfach ein freundlicher Tipp, den Sie aber keinesfalls befolgen müssen:

Die Verwendung des traditionellen Ballonglases mit einer für den Handkontakt geeigneten Form gibt dem Brandy eine angemessene Temperatur von etwa 20 Grad. Von dem alten Brauch, kleine Glasheizgeräte mit einer Flamme zu verwenden oder das Glas vor dem Gießen zu erhitzen, ist unbedingt abzuraten. Dadurch wird das aromatische Gleichgewicht des Branntweins gestört, indem die flüchtigsten Bestandteile verdunsten und das Alkoholgefühl verstärkt wird.

Wir empfehlen, dass der Brandy de Jerez immer zwischen 10 Grad und maximal fünfzehn Grad Celsius serviert wird, um all seine aromatischen und geschmacklichen Nuancen in perfekter Harmonie genießen zu können. Bei einer Temperatur von etwa 12 Grad und unterstützt durch die sanfte Bewegung des Glases zeigt der Brandy alle seine Aromen von den flüchtigsten bis zu den feinsten. Mit einem kleinen Schluck im Mund erwärmt es sich sanft und gibt ein warmes Gefühl – aber nicht brennend – und einen Ausdruck von großer Geschmacksintensität, der im Nachgeschmack weitergeht.

 

Auf diese Arten können Sie Brandy de Jerez trinken

On the rocks

Brandy de Jerez hat intensive Aromen und Aromen, die erhalten bleiben, obwohl sie verdünnt auf Eis serviert werden. Viel Freude bereitet der Brandy in einem Ballonglas oder in einem Becher mit guten festen Eiswürfeln, die langsamer schmelzen, den Brandy kühl halten und den Genuss des Getränks verlängern.

Shots

Immer mehr Menschen genießen Brandy de Jerez bei sehr niedrigen Temperaturen – fast schon eiskalt. Die Flasche sollte im Gefrierschrank aufbewahrt werden – der Alkoholspiegel verhindert, dass der Brandy gefriert – und der Brandy sollte direkt aus dem Gefrierschrank in kleinen Schnapsgläsern (oder „Chupitos“ auf Spanisch) serviert werden. Der so servierte Brandy de Jerez wird zu einem modernen und unbeschwerten Digestif.

 

Für Cocktailfreunde

Von klassischen Rezepten bis hin zu modernen Kreationen ist Brandy de Jerez eine Zutat von großem Wert für Barkeeper und Cocktailfreunde auf der ganzen Welt. Sein intensiver Charakter und seine Persönlichkeit sowie die Vielzahl der Marken und ihre enorm vielfältigen Nuancen bilden die perfekte Basis für alle Arten von Cocktails, Longdrinks, Aperitifs, Digestifs und mehr.

Mixgetränke sind eine sehr beliebte Art, Brandy de Jerez zu trinken, indem man einfach einen Softmixer wie Cola, Ginger Ale, Fruchtsaft oder Tonic Water hinzufügt. Was auch immer das bevorzugte Erfrischungsgetränk ist, die Qualität und Persönlichkeit des Brandy de Jerez bietet den idealen Kontrapunkt, zusammen mit etwas Eis, um sauber balancierte Mixgetränke zu kreieren.

Natürlich dürfen wir nicht versäumen, eine der klassischsten, traditionellsten und kreativsten Arten, Brandy de Jerez zu genießen, zu erwähnen: den beliebten „Carajillo“, in dem Brandy mit einem guten schwarzen Kaffee gemischt und entweder heiß oder kalt über Eis serviert wird. Der Drink ist köstlich und gibt dem Genießer ein gutes, beschwingtes Gefühl.

 

Brandy de Jerez in der Küche

Brandy de Jerez wird zudem in Spanien häufig in der Küche verwendet: nicht nur zum traditionellen Flambieren, sondern auch als Zutat in Rezepten aller Art, die den Gerichten einen „Hauch von Magie“ verleihen und sie auf ein höheres Niveau heben.

 

Brandy de Jerez & Zigarren

Es kann kaum etwas Schöneres für den Aficionado geben, als eine seiner Lieblingszigarren mit einem guten Glas Brandy zu genießen. Hierbei können verschiedene interessante Kombinationen mit den unterschiedlichsten Stilen von Brandy de Jerez kreiert werden: Mehr oder weniger trocken, oder Brandy, der in Fässern mit verschiedenen Arten von Sherry-Würze gereift ist passen zu den verschiedensten Arten von Zigarren, die je nach Herkunft des Tabaks und der Marke und Art der Zigarre neue Geschmacks- und Genussmomente bieten.

Quellen und weitere Informationen:

www.sherrynotes.com

https://en.wikipedia.org/wiki/Brandy_de_Jerez

https://www.brandydejerez.es/en/enjoyment

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