Armenischer Brandy

Alle Informationen zu Armenischem Brandy

Die Stadt Jerewan vor dem Berg Ararat
Die Hauptstadt des armenischen Brandys Jerewan vor dem Berg Ararat.

Armenischer Brandy ist ein Branntwein aus Armenien, der international einen guten Ruf genießt. Eher unbekannt bei vielen Spirituosenliebhabern, zeigen sich diese schnell begeistert, wenn sie den ersten lang gereiften armenischen Brandy, etwa von Ararat, probieren. Mehr lesen>

Alle armenischen Brandys im Überblick

Armenischer Brandy – ein Tipp unter Kennern

Armenischer Brandy ist häufig als hochwertiges Gastgeschenk aus Armenien anzutreffen. Angeblich war sogar Winston Churchill solch ein Liebhaber von armenischem Brandy, den er von Stalin einst als Geschenk erhielt, sodass er über mehrere Jahre über tausend Flaschen  ArArAt als Geschenk entgegengenommen hat und mit hochrangigen Politikern genossen hat.

 

Die Geschichte Armeniens ist eng mit dem Brandy verknüpft

Obwohl Armenien vielleicht nicht der erste Ort ist, der einem in den Sinn kommt, wenn man an einen guten Brandy denkt, produziert das Land seit sehr langer Zeit einige sehr gute Weinbrände.

In russischsprachigen Ländern werden diese als armenischer Cognac vermarktet. Die EU-Gesetzgebung, welche dies in Westeuropa verhindert, da die Nutzung des Wortes Cognac zwingend mit einem Ursprung der Spirituose in der Region Cognac einhergehen muss, stößt den Armeniern dabei bitter auf, da sie um die hohe Qualität ihrer Spitzenbrandys wissen, die guten Cognacs in Nichts nachstehen.

Armenien ist ein kleines Land im Südkaukasus, eingebettet zwischen der Anatolischen Halbinsel und dem Kaspischen Meer. Zusammen mit seinem nördlichen Nachbarn, Georgia, gilt die Region als Geburtsort des Weins. Obwohl es wahrscheinlich ist, dass die verschiedenen Rebsorten mehrere unabhängige Herkunftszentren haben, finden sich in dieser Region die ältesten historischen Zeugnisse der Weinherstellung, die etwa 6000 Jahre zurückreichen.

Die Region wurde im 19. Jahrhundert von Russland erobert und die historische Region Armenien wurde zwischen Russland und dem Osmanischen Reich aufgeteilt. Von 1917 bis 1920 hatte das Land eine kurze selbständige Existenz, bevor es schließlich als Armenische Sozialistische Sowjetrepublik in die UdSSR eingegliedert wurde. Armenien erklärte Ende des 20. Jahrhunderts seine Souveränität und wurde 1991 eine eigenständige unabhängige Republik.

Der lokalen Legende nach haben die Armenier seit dem 12. Jahrhundert Wein zu Brandy destilliert. Zur Bestätigung dieser Legende gibt es allerdings nur wenige aussagekräftige Beweise. Es gibt einige Beweise dafür, dass die Alkoholdestillation während dieser Zeit bereits im heutigen Libanon und im Iran vollzogen wurde, was es denkbar macht, dass die Kenntnisse der Destillation zu diesem Zeitpunkt auch nach Armenien gelangt sind. Wenn das stimmt, dann wurde Brandy in Armenien bereits mehrere Jahrhunderte hergestellt, bevor die Alkoholdestillation in Spanien und Frankreich an der Tagesordnung war. Im späten 19. Jahrhundert begann sich in Armenien eine blühende Brandy-Industrie zu entwickeln.

Der erste Brandy in Armenien wurde bereits im Jahr 1878 von einem Geschäftsmann aus Eriwan namens Nerses Tairion destilliert. Er vermarktete das Produkt auf national und verkaufte die Brennerei im Jahr 1898 an einen Händler aus Moskau. Dieser Vertriebshändler, Nicolai Shustov, ist der Grund, warum der armenische Brandy bis zum heutigen Tage in Russland so eine hohe Popularität genießt.

Für eine kurze Zeit hatte Nikolay Shustov das Recht, seinen Brandy als Cognac zu bezeichnen. Shustov war der offizielle Lieferant von armenischem Brandy an den Hof des russischen Zaren Nikolaus II. Seine Firma, Shustov & Sons, wurde schließlich die Yerevan Brandy Company, Armeniens größter Brandy-Produzent.

Auf der Weltausstellung von Paris 1900 wurde der Brandy von Shustov & Sons zum besten Brandy in einem Blind-Judging gewählt, wobei er die harte Konkurrenz des führenden Cognac-Produzenten ausschlug und zu Belohnung sein Brandy-Produkt Cognac legal Cognac nennen durfte. Dieses Recht wurde jedoch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs widerrufen. Ebenso wie der Champagne das Wort Champagner ist die offizielle Bezeichnung Cognac im EU-Recht ausschließlich den Weinbränden vorbehalten, die in der Stadt Cognac und den umliegenden Regionen Charente und Charente-Maritime produziert werden. Die armenische Regierung hat die EU erfolglos im Jahr 2013 um Erlaubnis gebeten, den Begriff Kanyak für ihren Brandy weiter zu verwenden.

 

Ist armenischer Brandy also auch armenischer Cognac?

Armenischer Brandy wurde etablierte sich schnell als beliebte Spirituose unter Politikern der Sowjetunion. Bis zum Jahr 1980 gab es 42 Fabriken und Niederlassungen in der UdSSR, die sich der Herstellung und dem Verkauf von armenischem Brandy verschrieben hatten. Während der Sowjetzeit war die Yerevan Brandy Company der einzige Produzent, der die volle Unterstützung der Politiker und des Bürokratieapparats besaß. Dieses Unternehmen wurde im Jahr  1998 von Pernod-Ricard gekauft.

Mit diesem ausgezeichneten Ruf gesegnet produzierte Armenien sehr zügig knapp 25% des in der Sowjetunion hergestellten Branntweins. 24 Millionen Flaschen armenischen Brandy werden jährlich nach Russland exportiert und armenische viele armenische Weinbrände haben im vergangenen Jahrhundert zahlreiche Auszeichnungen und Medaillen der Spirituosenwelt gewinnen können.

Heute wird der Brandy unter dem Namen „Kanyak“ vermarktet, der osteuropäischen Schreibweise von Cognac. Dies widerstrebt der französischen Cognac-Lobby zwar ungeheim, bis heute wird diese Praxis allerdings weitgehend akzeptiert. Ein schwieriges und spannendes Thema, denn so heißt armenischer Brandy zwar nicht Cognac, da dies aber lediglich eine andere Schreibweise ist, tut er schließlich irgendwie doch. In einem sind sich zumindest viele Brandy- und Cognac-Liebhaber einig: Mithalten können die Top-Produkte des Kanyak mit Cognac allemal!

 

Armenien spielt in der Spitzenliga der Brandy-Produktion

Um die Brandy-Leidenschaft der Armenier in Zahlen auszudrücken: Statistiken zeigen, dass Armenien im Jahr 2013 20.284.000 Liter Brandy produziert hat. Im selben Jahr konsumierten Armenier 1861.000 Liter Brandy – umgerechnet also etwa 1,6 Liter pro Kopf. Armenien ist ein Land, das sehr stolz auf seine Spirituosen ist – die über 80% des gesamten Alkoholkonsums ausmachen – und Brandy oder in ihren Augen Cognac ist dabei unangefochten der Liebling der Nation.

Während die Industrie der UdSSR nach und nach einging stieg die Produktion von Brandy in den zwei Jahrzehnten nach Zusammenbruch der Union stetig an. Das Internationale Zentrum für Agrarwirtschaft, Forschung und Bildung hat die Brandy-Industrie als „eines der entscheidenden Segmente für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung“ in Armenien identifiziert. Das namhafte Auktionshaus Sotheby’s hat sogar eine 70 Jahre alte Flasche armenischen Brandys für mehr als 120.000 Dollar an den Mann oder die Frau gebracht.

Doch die blühenden Zeiten des armenischen Cognacs rückläufig.  So ist die Produktion allein im Jahr 2015 um 9% geschrumpft. Doch trotz rückläufiger Exporte findet man im Export weiterhin eine respektable Auswahl armenischen Brandys. Und diese falschen Cognacs einen Versuch wert. Es gibt verschiedene Marken, die nach obskuren armenischen Herrschern und Orten benannt sind, aber einige der wichtigsten Namen sind Noy, Arax und selbstverständlich Ararat, eine Marke, die sich heute im Besitz von Pernod Ricard befindet.

Der Anspruch auf den Cognac-Titel lebt in den Herzen der Armenier weiter – und ist fest in ihrem Sprachgebrauch etabliert. Kanjak ist der allgegenwärtige Ausdruck für das armenische Getränk in vielen postsowjetischen oder sowjetisch besetzten Nationalsprachen, einschließlich Armenisch, Rumänisch und Ukrainisch. Und wir alle wissen, dass Sprache nicht so leicht durch EU-Vorschriften und französische Empörung verändert werden kann. Schließlich ist es für die Armenier der beste Cognac der Welt.

Während der Zeit des Kommunismus waren armenische Weintrauben hauptsächlich für Brandy-Produktion vorgesehen. Etwa ein Viertel des gesamten in der Sowjetunion hergestellten Brandy stammt aus Armenien. Auf der Konferenz von Jalta im Jahr 1944 soll Joseph Stalin Winston Churchill und Franklin Roosevelt mit großen Mengen eines armenischen Brandys, der von der Firma Yevan Brandy namens Dvin produziert wurde, vertraut gemacht haben.

Der größte Branntweinbrenner aus der Zeit der Sowjetunion, die Yerevan Brandy Company, wurde 1999 von der armenischen Regierung an den französischen Spirituosenriesen Pernod-Ricard verkauft. Er ist die gebräuchlichste Marke armenischen Brandys im Ausland und wird heute in über 20 Länder exportiert.

Das Land produziert derzeit etwa 20 Millionen Liter, etwa 5,7 Millionen Gallonen, von denen 90 Prozent exportiert werden.

 

Besonderheiten bei der Herstellung von armenischem Brandy

Armenischer Brandy wird auf ähnliche Weise destilliert wie der berühmte Cognac. Er wird doppelt destilliert und reift anschließend in Eichenfässern. Auch das System der Qulitätsbeurteilung in VS, VSOP und XO orientiert sich am französischen Vorbild.

Es gibt einige wissenswerte Informationen über die Herstellung von armenischem Weinbrand. Erstens werden nur autochthone Rebsorten verwendet. Armenien hat über 200 autochthone Rebsorten, von denen die meisten sehr alt sind und von denen nur wenige von Ampelologen untersucht wurden.

Per Gesetz sind die einzigen Rebsorten, die für die Weinbrandproduktion verwendet werden können, Voskehat, Garan Dak, Mskhali, Kangun und Rkatsiteli – letztere ist eine georgische Rebsorte. In Armenien werden Trauben angebaut, die besten kommen aus Westarmenien im Ararat-Tal unter dem Ararat. Trauben werden auch verwendet, um die Alkoholbasis für Fruchtwodkas und nicht aromatisierte Wodkas bereitzustellen.

Der Branntwein wird in einem doppelten Destillationsverfahren hergestellt, bei dem Charentais Stills verwendet werden, dieselbe Art von Destillierkolben, die in der Cognac-Produktion verwendet wird. Die Reifung erfolgt in Eichenfässern, Quercus macranthera.

Diese Art, auch persische Eiche genannt, gehört zur Familie der Weißeichen und wächst im Kaukasus und in der Umgebung. Es gibt über hundert verschiedene Arten von Weißeichen, von denen nur eine Handvoll für die Reifung von Weinen und Spirituosen verwendet wird.

Es wird angenommen, dass die kaukasische Eiche Aromen von getrockneten Früchten, getrockneten Kräutern sowie Vanille- und Schokoladennoten verleiht. All dies sind Aroma- und Geschmackselemente, die eng mit armenischem Brandy verbunden sind.

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